GabrielKnight hat geschrieben:Kannst Du die "permanente steuerliche Bevorteiligung" dieser 10 Proz. in Deutschland mal anhand von Paragraphen oder Beispielen belegen? Oder ist es vielleicht eher so, dass diese 10 Proz. ihr Kapital mehrheitlich zu großen Teilen nur soweit wie irgendwie nötig in Deutschland versteuern, und die deutsche Volkswirtschaft somit deutlich weniger sieht als es bei geringeren Steuersätzen unter Umständen der Fall wäre?
Das ist doch mein Reden, dass ein durchsichtiges und überschaubares Steuersystem her muss. Du kannst aber nicht die Hochverdiener soweit entlasten, dass sie so wenig Steuern zahlen wie in Tailand oder Polen. Wir haben hier einen hohen allgemeinen Lebenssandart. Wir sind hier in einer sozialen Marktwirtschaft und bei uns werden viele Dinge über Steuern bezahlt. Straßen, Autobahnen, Sportplätze, Universitäten (sogar der gesamte Bildungsbereich). Diese Sachen kosten natürlich Geld, aber jeder von uns profitiert davon. Schließlich können wir auf gut ausgebauten Autobahnen und Straßen durch Deutschland fahren, können unsere Kinder kostenfrei auf Schulen schicken. Wer profitiert denn noch davon? Natürlich der Unternehmer, in dem er qualifiziertes Personal einstellen kann und seiner Waren schnell von A nach B bringt über Deutschlands Autobahnen.
Wenn die Steuern weiter gesenkt werden, müssen viele Dinge wieder individuell finanziert werden. So wie es jetzt durch Studiengebühren und Autobahn-Maut schon beginnt. Selbst die Vereinsbeiträge für Sportvereine werden steigen, weil irgendwelche Leute denken, dass Sportanlagen nicht der Allgemeinheit gehören und somit nicht mehr staatlicherseits finanziell unterstützt werden sollten.
GabrielKnight hat geschrieben:SebastianB hat geschrieben:weiter gehts mit den riesigen unternehmen (also konzerne) die ständig entlastet werden und in deutschland nur ihre verluste anrechnen lassen und die gewinne im ausland versteuern (weil die steuern dort geringer sind). gehts noch?
Letzteres würden sich "die Konzerne" wohl auch fragen, wenn man ihnen auftischt sie hätten grundsätzlich alles zu Höchststeuersätzen in Deutschland zu versteuern.
Wie ich schon oben beschrieben habe: Unternehmen profitieren auch von unserem Standort und sie stehen auch in der Verantwortung. Schließlich werden viele Gewinne durch die Vorteile in Deutschland gemacht.
GabrielKnight hat geschrieben:Du bist doch Informatiker, also ist Dir doch klar, dass wenige Prozent von etwas immer noch sehr viel mehr sind als 0 Prozent von nichts, wenn eines der von Dir zitierten "riesigen Unternehmen" beschließt, dass sich die Ansässigkeit in Deutschland unter den gegebenen Standortfaktoren keinen Deut mehr lohnt. Prominente Beispiele wo dies geschehen ist gibt's zu Hauf, wenn wir so weiter machen wir von so mancher Partei am linken äußeren Rand gefordert sind wir bald auch noch Konzerne wie Daimler oder IBM nahezu gänzlich los.
Was ist mit dem Mittelstand? Der Mittelstand in Deutschland gibt über 70 Prozent der deutschen Arbeitsplätze und der Mittelstand hat eine weit höhere Besteuerung (ungerecht). Ich bin der Ansicht, dass sich die "riesigen Unternehmen" sich an Deutschland nur gesund stoßen. Die verfolgen nur ihre eigenen Interessen und sind nicht an ihren Angestellten, Arbeitern oder an Deutschland interessiert. Wenn hier nix mehr zu holen ist, dann gehts weiter nach Osten!!! Das war der Trend der letzten Jahre und das kannst du auch nicht abstreiten.
GabrielKnight hat geschrieben: Dann sieht die Volkswirtschaft Deutschland genau 0,0 EUR direkte Steuereinnahmen.
Doch vom Mittelstand.
GabrielKnight hat geschrieben: Die Milchmädchenrechnung "die nehmen hier Geld ein, sollen also auch kräftig abdrücken" ist ein bischen kurz gedacht.
Nee, du stellst es hier nur kurz-gedacht dar.
GabrielKnight hat geschrieben:Diese Klassenkampfideologien von "da oben" und "wir armes Volk" waren zu Zeiten der industriellen Revolution ganz angebracht, in Zeiten der Globalisierung ticken Volkswirtschaften gänzlich anders.
Genau. Man redet von sozialer Verantwortung und wird gleich wieder in eine linke Ecke geschoben. Das ist typisch CDU/FDP-Wähler. Du solltest mal das Grundgesetz lesen. Was man da so lesen kann, müsste ja in deiner Weltanschauung dem Kommunistischen Manifest gleichen.
GabrielKnight hat geschrieben:Unternehmen sind nicht immer nur die bösen Abzocker sondern leisten erhebliche Beiträge zum Gemeinwohl, schon dadurch das sie überhaupt Arbeitsplätze anbieten.
Arbeitsplätze anbieten, den Deutschen Markt erschließen und Steuern woanders zahlen. Klingt verantwortungsvoll... Ich sage ja nicht, dass alle großen Unternehmen schlecht sind. Aber ich finde es ungerechtfertigt Arbeitskräfte zu entlassen, wenn ein Unternehmen maßig Gewinne macht, wenn zeitgleich der Markt in Osteuropa erschlossen wird und dort neue Arbeitskräfte eingestellt werden. Wir können nun mal nicht Steuern soweit senken wie in Osteuropa oder Asien. Dafür haben wir halt andere gute Standortfaktoren. Sonst wären doch die großen Unternehmen schon lange weg und wie ich bereits geschrieben habe, kosten die Geld und das kommt nun mal über Steuern.
GabrielKnight hat geschrieben:Ich will ja jetzt nicht grantig oder unfreundlich werden, aber das geht mir ganz schön auf den Sack, auch wenn ich dafür jetzt geflamet werde. Wenn die Steuerlast in Deutschland weiter steigt, bin ich ebenso raus wie andere mir bekannte potentielle Nichtgeringverdiener. Wenn das Schule macht kannst Du dir die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft ausmalen.
Dann geh doch. Dich hält doch niemand auf. In den USA sieht man ja wie sicher man leben kann ohne Sozialstaat. Mit einer Kriminalitätsrate jenseits von gut und böse und Bullen die einem mit Knarre aus dem Auto ziehen, weil man mal 10km/h zu schnell auf dem Freeway war.
GabrielKnight hat geschrieben:Deutschland muss sich mal wieder darauf besinnen dass man vor dem Verteilen erstmal was erwirtschaften muss.
Das klappt nicht in dem man jeden der etwas schaffen will in Grund und Boden besteuert.
Dazu nochmal eine Zahl: 1 Prozent Vermögenssteuer mit einem Freibetrag von 500.000 Euro würde allein in Hessen 1,2 Milliarden Euro einspielen. Damit könnte man einen großen Teil vom Haushaltsloch stopfen. Das würde nämlich genau diese 10%, die 95,5% des gesamten Vermögens besitzen, betreffen. 1 Prozent ist verdammt viel. Meine Güte. Mit einer so hohen Steuer muss sich wirklich jeder Vermögende insolvent melden und sofort ins Ausland flüchten, wo er vielleicht keine schöne Parkanlage für den Sonntagsspaziergang hat.
Was ist an einer gerechteren Verteilung falsch? Wieso sehen sich Vermögende nicht in der Verantwortung? Wenn ich später gut verdiene, bin ich auch bereit einen Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten.
»Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.«
Ein Zitat aus unserem Grundgesetz.
Wir sollten uns mal wieder Gedanken darüber machen, ob wir in Zukunft wirklich eine Stechuhr vor der Uni wollen und Eintritt zahlen möchten, wenn wir den Sportplatz betreten oder durch die Karlsaue spazieren gehen. Denk mal ein bißchen darüber nach was Allgemeingut ist.